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Konservatismus und Säkularisation, Tendenzen in der Orthodoxen Theologie heute


Konservatismus und Säkularisation, Tendenzen in der Orthodoxen Theologie heute

Konservatismus und Säkularisation

Metropolit Hierotheos von Nafpaktos und Heiliger Vlassios

Tendenzen in der Orthodoxen Theologie heute

Um über die Orthodoxe Theologie und die in der heutigen Zeit existierenden Strömungen zu sprechen, sowie in Griechenland als auch außerhalb Griechenlands, wo immer es Orthodoxe Theologen gibt, muss man, wie ich meine, beim Credo beginnen, wo gesagt wird: „Ich glaube an die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche“. Das bedeutet, dass wir an die Existenz einer einzigen Kirche glauben, an die Eine, Heilige, Katholische (d.h. allumfassende) und Apostolische Kirche.

Das Wort „Eine“ bedeutet, dass die Kirche eine ist, weil sie nur ein Haupt hat, und zwar Jesus Christus, und einer ist Sein Leib, Er kann nicht mehrere haben.

„Heilige“, weil das Haupt Heilig ist und den Leib heiligt.

Es ist nicht der Leib, der das Haupt heiligt, sondern der Leib wird geheiligt durch das Haupt.

In Folge wird sie „Apostolisch“ genannt. Warum wird die Kirche Apostolisch genannt? Weil sie auf den Aposteln gründet, und all die Erfahrung, die Lehre der Apostel von Christus herrührt und sie am Pfingsttag Glieder des Leibes Christi wurden; durch sie sprach der Heilige Geist.

Und sie wird „Katholische“ Kirche genannt, weil sie über die ganze Welt ausgebreitet und Trägerin der einheitlichen Wahrheit ist. Der Begriff „katholisch“ ist aristotelisch und bedeutet „καθ' όλου”, d.h. „vollständig, allumfassend“. Daher sagen wir, dass es die vollständige, die allumfassende Wahrheit ist, die auf der ganzen Welt verstreut ist, wie der heilige Kyprianos zu sagen pflegte.

Es ist von großer Wichtigkeit anzumerken, dass Vt.Georgi Florowski sagt, dass die Kirche Apostolisch ist, gerade weil sie Patristisch (heiligväterlich) ist. Aus welchem Grund? Die Väter sind Nachfolger der Heiligen Apostel. Und wir haben haben die Gewissheit unser, dass diese Kirche Apostolisch ist, gerade weil es die Sukzession der Väter in all den Jahrhunderten gegeben hat. Denn wenn man nur bei den Aposteln verbleiben würde, um zu behaupten, dass eine Kirche Apostolisch ist, und sagen würde, dass nur die Apostel und das Heilige Evangelium erheblich sind, und folglich jeder wie er will diese interpretieren kann, ohne die Interpretationen der Väter all diese Jahrhunderte hindurch und insbesondere jene der Ökumenischen Synoden, dann wäre die Ansicht über die Kirche, die resultiert, gewiss eine vollkommen andere; denn die Kirche würde auf diese Weise auf eine bestimmte Zeitperiode begrenzt werden. Die Väter sind es, durch welche die Apostolische Tradition in jeder Epoche überliefert wird.

Deswegen ist die Kirche die Kirche, die auf den Propheten, den Aposteln und den Vätern gründet. Das bedeutet, dass die Propheten den noch nicht fleischgewordenen Logos und die die Apostel den fleischgeworden Logos sahen und darüber hinaus der gesegnete Leib Christi wurden, Glieder des Leibes Christi, durch die Christus sprach. Und die Väter sind Nachfolger der Heiligen Apostel.

Der Heilige Gregorios Palamas sprach, dass „dies ist die rettende Vollkommenheit, in der Erkenntnis und den Dogmen, gleich gesinnt zu sein wie wie die Propheten, die Apostel, die Väter und ganz einfach alle, von denen bezeugt ist, dass der Heilige Geist durch sie sprach über Gott und Seine Geschöpfe.“, durch die Jahrhunderte hinweg.

Folglich ist die authentische Theologie, an die wir uns alle anlehnen und die die Theologie der Kirche darstellt, die Theologie der Propheten, der Apostel und der Väter; und es ist auch die Theologie der Ökumenischen Synoden. Denn wenn wir die Protokolle der Ökumenischen Synoden tatsächlich eingehend untersuchen, so werden wir sehen, dass sie sich auf den Propheten stützen, die „Sehende“ sind und „Seher“ genannt werden, wie der Prophet Samuel, den man „den Seher“ nannte, denn sie waren keine Theoretiker, sie waren Gott-Schauende. Auch auf die Apostel und die Vätern stützten sie sich über die Jahrhunderte hinweg. Das ist die authentische Theologie und die Kirche bewahrt genau diese.

Doch während dieser Jahrhunderte wurden in die Orthodoxe Theologie durch stochastische Theologen auch andere theologische Überlieferungen eingeführt. So haben wir die authentische Theologie der Propheten, der Apostel und der Väter und wir haben auch andere theologische Theorien, andere Strömungen, die in die Kirche aus anderen Richtungen einfließen und aus der Orthodoxen Kirche selbst heraus, da es Menschen gibt, die innerlich kogitieren und verschiedene Strömungen entstehen lassen. Im Westen des 11. Jahrhunderts zum Beispiel, vom 11. bis zum 13. Jahrhundert, entwickelte sich eine Theologie, die Stochastische Theologie genannt wird, und die auf der platonischen und aristotelischen Philosophie basiert; diese beruht hauptsächlich auf der Logik und nicht auf dem Herzen, nicht auf der Erfahrung Gottes im Heiligen Geiste. Und später entstand noch eine andere Theologie, die von einem russischen Theologen herrührte, einem Alexej Chomjakow, der die die Scholastische Theologie überwinden wollte, welches anfänglich ein richtiges Unterfangen darstellte, aber der dann anfing zu glauben, dass seine Theologie selbst der heiligväterlichen Theologie überlegen sei. So entwickelte sich eine Theorie, dass die Scholastik eine überragendere Theologie als die Patristische darstelle, dass die heiligväterliche Theologie im 8. Jahrhundert angeblich mit dem Heiligen Johannes von Damaskus ihr Ende gefunden habe.

Wir haben also die Scholastische Theologie, die meint, der Patristischen erhabener zu sein, weil sie mehr auf Philosophie beruht, auf Kogitieren und nicht bloß auf äußerliche Symbole und daraufhin entwickelte sich die Russische Theologie des 18. und 19. Jahrhunderts, die meint, beider erhabener zu sein, der Patristischen Theologie, sowie auch der Stochastischen Theologie.

Diese Strömungen erreichten leider auch Griechenland. Es gibt Menschen, die im Ausland studierten und diese Strömungen transferiert haben, sodass da einerseits die authentischen Vertreter der Patristischen Theologie sind, welche die lebendige Theologie der Propheten, der Apostel und der Väter darstellt, und demgegenüber andere stehen, die eine stochastische, moralistische, und ich würde sagen, etwas kulturelle Theologie vertreten, die sich von der Lehre der Heiligen Väter in vielen Punkten unterscheidet. Und warum unterscheidet sie sich? Sie unterscheidet sich, weil sie versucht, alle Gesichtspunkte, die Gott betreffen, mittels der zeitgenössischen westlichen Philosophie zu erklären; zum Beispiel mittels der deutschen Philosophie des Idealismus. Sie übernahm Elemente des deutschen Idealismus über das „Sein“, die ein Wiederaufleben des Platonismus ist, und andere wiederum lassen den Aristotelismus wieder aufleben. Aus diesen werden bestimmte Elemente übernommen und unserer Orthodoxen Überlieferung hinzugefügt.

Diese Strömungen sind nicht zu übersehen und es ist nicht notwendig, dass ich zu einer ausführlicheren Analyse übergehe, weil dies viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Trotzdem muss ich betonen, dass die Authentische Theologie jene der Heiligen Väter ist, kraft der Sukzession der Propheten, der Apostel und der Ökumenischen Synoden. Gleichzeitig existieren im Groben noch zwei andere Strömungen: Eine Strömung, die konservativ ist und wo die Theologie impermeable und begrenzt ist, ohne das Element der Erfahrung; sie untersucht die Dogmen ohne die Substanz der Dogmen zu erkennen. Denn die Dogmen setzen ein „innerliches Leben“ voraus, es ist keinesfalls so, dass wir, wie es Vater Ioannis Romanides ausdrückte, die Dogmen in die Ikonenwand stellen und sie verehren. Das Dogma existiert um ein Ethos zu schaffen. Folglich sehen und übertragen diese Theologen bloß die heiligväterlichen Termini, doch mit einer von Leidenschaft geprägten Haltung, die Probleme verursacht. Es handelt sich um Konservatismus. Auf der anderen Seite besteht eine Verweltlichung, und es wird gesagt, man solle die Väter in ihrer Epoche belassen und untersuchen, wie die Väter in unserer Zeit sprechen würden, mit der Annahme, dass sie anders sprechen würden in unserer Zeit. Darin ist Wahrheit vorhanden, aber gleichwohl entsteht ein Irrglaube. Warum? Denn wenn man die Erfahrung der Väter inne hat, kann man in der heutigen Zeit sprechen, dank der Erfahrung, mit einer etwas anderen Phraseologie. Keinesfalls jedoch, indem man sich von den Termini und den Dogmen der Ökumenischen Synoden entbindet. Doch wenn man nicht über diese Erfahrung verfügt, wie kann man sich dann selbst für einen Kirchenvater halten? Die Väter hatten die Theoria (die Gottesschau) erreicht und äußerten ihre Erfahrung, indem sie Begriffe aus ihrer Epoche benutzten.

Infolgedessen vertrete ich die Ansicht, dass es die ursprüngliche Theologie gibt, die wir in lebendigen Organismen zu beobachten fähig sind, d.h. wenn wir beispielsweise den Heiligen Berg besuchen, und dort heutzutage Menschen anzutreffen, welche an der Erfahrung und dem Leben der Kirche und der Heiligen teilhaben, die innerhalb der Kirche erhalten geblieben ist; es handelt sich hierbei um lebendige Organismen. Dies ist die authentische Theologie, die mit den Begriffen unserer Zeit beschrieben wird. Und während jene Menschen, welche Träger dieser lebendigen Theologie sind, auch die Liebe Gottes inne haben, erleben sie die Erfahrung Gottes ohne jegliche Art von Fanatismus, Zelotismus oder Verweltlichung. Hier befindet sich meiner Meinung nach auch die Grundvoraussetzung von allem. Die Erfahrung, die mit der reumütigen Umkehr, dem Gebet, der sogenannten Nepsis oder Achtsamkeit, dem Fasten, dem Wachen, dem Gebet verbunden ist; und wer die Erfahrung hat, überträgt das Leben der Vergangenheit in die Gegenwart. Auf diese Art vermeidet man sowohl den Konservatismus, als auch den Zelotismus, und ebenso die Säkularisation.

Der heilige Paissios, den wir hier auf dem Heiligen Berg kennenlernten, sagte, dass es einige gibt, die die Dogmen in ihre Logik einzuquetschen versuchen, sie rational untersuchen und daraus intellektuelle Theologie machen. Und andere wiederum bedienen sich der Dogmen und nutzen sie mit ihrem Zorn und ihren Zähnen, sie knirschen die Dogmen mit ihren Zähnen und daraus entsteht Fanatismus. Doch die wahre Theologie ist das Leben, die lebendige Überlieferung, die in der Kirche herrscht und die im Heiligen Geist ausgedrückt wird, fern von Konservatismus und Fanatismus, mit der Kraft und dem Eifer des Geistes, ohne bloß auf der Oberfläche zu bleiben – das hieße Konservatismus – denn das Festhalten an der Überlieferung ist nicht gleichzusetzen mit dem Konservatismus. Konservierung bedeutet, wenn man die Vergangenheit wie eine Art Konserve in die Gegenwart überträgt, das ist Konservatismus. Überlieferung ist wie das frische Produkt, die lebendige Tradition, die man in der Kirche erleben kann, mit der reumütigen Umkehr und dem Kirchenleben in seiner Gänze, sodass sowohl Konservatismus als auch Säkularisation vermieden werden, welche beide ein Problem innerhalb der Kirche darstellen.

Demnach seien wir dazu aufgerufen, wahrhaftige Orthodoxe zu sein, von der reumütigen Umkehr, dem Gebet und der Göttlichen Kommunion begleitet, und begnadet innerhalb der Kirche zu existieren.

Übersetzung: Alexia Ghika- Kyriazi

   


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