Altvater Ephraim von Arizona

Egoismus – die wahrscheinlich tödlichste Krankheit

In aller Regel fürchten wir uns davor, wovor sich auch unser Umfeld fürchtet, oder wovor uns die Experten warnen: Erdbeben, Brände, Arbeitslosigkeit, Krebsleiden, AIDS, Rinderwahn, und was immer uns in der heutigen Zeit Neues widerfahren könnte. Wir schützen uns vor diesen Dingen, und das ist keinesfalls schlecht.

Doch wir erkennen nicht die wahre Gefahr, die wahre Bedrohung, die um uns und in uns existiert und unserer Aufmerksamkeit bedarf, weil es sich um eine unmittelbare und tägliche Bedrohung handelt, die schmerzlich enden kann.

Die größte Gefahr tragen wir uns in uns selbst, unser großer Feind heißt Egoismus. Der Egoismus mit all seinen Verästlungen: Selbstsucht, Hochmut, Anmaßung, Selbstinszenierung etc..Keine größere Gefahr existiert für den Menschen und seine Seele, keine schlimmere Erkrankung, da die Folgen nicht nur lebenslang und für den „Träger“ des Egoismus selbst katastrophal, sondern ewig sind.

“Denn er ist es ja, der uns das Leben und die Luft zum Atmen und überhaupt alles gibt... Denn 'durch ihn leben wir, bestehen wir und sind wir'” (Apg 17, 25;28).

Nachdem wir uns an Seinen einzigartigen Geschenken Seiner Liebe erfreut und gelabt haben, sie verbraucht haben, wenden wir uns anderem zu, ignorieren wir Ihn, drehen Ihm den Rücken zu, und konstruieren darüber hinaus Theorien, nach denen Er angeblich nicht existiere, ja niemals existiert habe...

Während wir von Seinem erquickenden Wasser trinken und die Luft atmen, die Er uns schenkt, nähren wir unseren Egoismus mit den Worten: „Ich... mir... auch mir... von mir... meines.. ich...“. Viele sind unvernünftiger und gehaltloser als die kleinen Kinder, die zu Hause auf sie warten...

Denk an das kleine Kind, das du nährst, einkleidest und den ganzen Tag verhätschelst. Wie würde es auf dich wirken, wenn es plötzlich sagen würde: „Ich... mir... meines... ich allein...“. Du würdest lachen, leiden, vergeben, Langmut beweisen und ihm die Möglichkeit geben, zu bereuen, Demut und Anerkennung zu zeigen, umzukehren...

Denn auch die Worte eines Egoisten sind provokant und unvernünftig, sodass man nur mit Geduld und Barmherzigkeit darauf hoffen kann, dass er wieder zur Vernunft kommt, dass er Anerkennung zollt und Demut. Doch was, wenn er nicht so handelt? Gott Selbst wird zum Gegner, zum Widersacher, zum Rivalen. Dann nimmt die menschliche Tragödie ihren Lauf. Lest folgendes, um zu begreifen:

“Nicht einmal Gott selbst kann dieses Schiff zum Versinken bringen“, antwortete ein Schiffsoffizier einer Dame, die voller Bewunderung vor dem nagelneuen Ozeandampfer stand und fragte, ob es tatsächlich unsinkbar wäre! Nicht einmal Gott konnte es angeblich versenken. Dabei bedurfte es nur eines Eisberges, gegen dessen Kante das Schiff prallte, um all diese Behauptungen bezüglich des größten und luxuriösesten Ozeandampfers dieser Zeit nur zu einfach und dramatisch als falsch zu erweisen.

Der Admiral und Chefkonstrukteur der Titanic Thomas Andrews versank gemeinsam mit seinem Werk in den eiskalten Gewässern des Ozeans.

Auf einmal erklang ein merkwürdiges Geräusch, als wenn jemand mit einem riesigen Finger an einer Schiffsseite entlangfuhr. Es handelte sich um einen Eisberg, einem unter vielen, die dort auf dem Wasser trieben, doch vom Schiffskapitän der Titanic einfach ignoriert wurden. Die Anmaßung, der Egoismus, gepaart mit Unvernunft, würden sicherlich irgendwann zum Tod führen. Ihr feuchtes Grab wartete bereits auf sie. Einige der Passagiere ließen die Unterhaltung beiseite, auch die Karten, die sie gerade spielten, und gingen aus dem Tanzsaal hinaus, um nach dem Rechten zu schauen.

Die dunkle Masse des Eisbergs entfernte sich und das Schiff setzte seine Fahrt fort, stolz, erhaben und unbekümmert... Es war der 14. April 1912, um 23.40 Uhr. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stand der Menschheit bevor.

Der Kapitän und einige Offiziere inspizierten sofort den Rumpf. Das Eis hatte ein fast 90 m langes Leck geschlagen. Sogleich strömte das eiskalte Wasser in die wasserdichten Abteilungen hinein, die überflutet wurden. Fünf der wasserdichten Abteilungen der Titanic füllten sich schnell mit Wasser. Wenn nur vier von ihnen überflutet gewesen wären, hätte es die Titanic noch bis nach New York geschafft. Dramatische Szenen der Verwirrung fanden anschließend statt. Um 23.05 Uhr ordnete der Kapitän die Evakuation an. Um 24.15 Uhr senden sie das Notsignal. Um 23.45 Uhr wurden die ersten Rettungsboote ins Meer hinuntergelassen. Von den 2220 Passagieren überlegten nur 713 und am nächsten Morgen um 2.20 Uhr verschwanden die 46328 Tonnen der Titanic im eiskalten und ruhigen Meer des Nordatlantik.

Weder ein Sturm, noch ein unerwartet hoher Seegang oder ein Unwetter führten zum Unglück, sondern allein der unsinnige Egoismus und provokante menschliche Anmaßung: „Dieses Schiff kann nicht einmal Gott selbst versenken“.

Die unsinkbare Titanic liegt über 85 Jahre lang still und bezwungen in der feuchten und dunklen Umarmung des Atlantischen Ozeans, um jeden von uns an etwas sehr Nützliches zu erinnern: „Der Egoismus ist die tödlichste Krankheit“. Und es ist eine Krankheit, weil sie die Menschen nutzlos macht (insbesondere diejenigen, die Amtsträger, z.B. Politiker, Beamte, Bischöfe, Priester u.a. sind), sie mit unsinniger Selbstsucht und Hochmut erfüllt, als gefährlich und unvernünftig erweist. Ihr Geist und ihr Herz wird verfinstert und sie können weder sehen, noch hören, noch wahrnehmen, noch mitempfinden, in was für einem Zustand sie sich befinden.

Dies sind die Hauptsymptome der Krankheit des Egoismus und der Anmaßung. Wenn sie nicht rechtzeitig und schnell behandelt wird, führt sie zum Tod. Sie besiegt die Menschen mit ewigem Tod, ohne die Gnade und Barmherzigkeit des Herrn in ihrem Leben. Ein weiterer Wichtiger Punkt lautet: Man muss seinen Egoismus töten, sonst tötet er einen zuerst.

Es gibt eine richtige und wirkungsvolle Waffe gegen den Egoismus, damit der Herr unser Herz zu Seinem Königreich macht. Es ist das Wahre Kreuz Christi. Dieses Kreuz kann eine „tödliche Waffe“ sein. Wenn man an ihn glaubt, ihn umarmt in Demut und wahrhaftiger Suche, verliert der Egoismus sogleich an Kraft, weil man sich unwürdig, nutzlos, erbärmlich, aber auch erbarmt fühlt.

Die anmaßenden, egoistischen, selbstsüchtigen Menschen haben nie den Sinn des Kreuzes und den gekreuzigten Jesus Christus erkannt. Selbst wenn sie in Kirche ein- und ausgehen und Predigten lauschen, mit denen sie sich einverstanden zeigen. Denn wenn ihr Egoismus nicht mit Jesus Christus ans Kreuz genagelt wird, werden sie niemals mit Ihm gemeinsam auferstehen, erneuert, erlöst, wiederhergestellt, als neugeborene Christen, wahre Kinder des Himmlischen Vaters.

Der Egoismus kann geheilt werden, wenn er rechtzeitig, aufrichtig und mit herzlicher Einfachheit diagnostiziert und mit Demut und Glauben dem Kreuz wie auch der Auferstehung unseres Erlösers Jesus Christi gegenüber, behandelt wird.

Ohne eine solche Behandlung tötet der Egoismus Körper und Seele. Der selbstsüchtige, anmaßende Mensch ist eine Art „umherwandernder Krankheitsherd“, er ist gefährlich und unglücklich. In unseren Tagen, den letzten, des Endes dieser Welt, wird es immer mehr von ihnen, auch unter uns, geben, mit unvorhersehbaren Folgen.

Doch wir sollten auf die Einfachheit, die Demut, den Glauben, die Liebe zu unserem Herrn beharren. Unser Leben, unsere Seele und jeder unserer Tage sollen erfüllt sein von ihnen. Die einzige Gewissheit, die einzige Sicherheit und Gewähr findet sich in diesen.

Meine Lieben. Liebt einander und seid nicht eures Egoismus wegen verbittert. Die Demut ist ein sicherer Führer, sie lässt ihre Träger nicht auf Riffe der Leichtfertigkeit prallen und zerschellen.

Der Egoismus ist das Übelste aller Übel; aus ihm entstehen alle Fehler durch unbändige Gedanken. Fürchtet euch vor ihm und versucht, euch von ihm zu befreien, denn je länger er in uns unbesiegt verbleibt, umso mehr wird er uns verletzen und entsprechende Schmerzen verursachen.

Bitte verurteilt euch nicht gegenseitig, denn dabei handelt es sich ganz und gar um Egoismus; jeder sollte den Fehler seines Bruders rechtfertigen, weil es sich dabei um ein Bekenntnis der Demut und der Liebe handelt.

Der Bruder, der so handelt, wird viel Gnade Gottes erfahren, derjenige jedoch, der über seinen Nächsten urteilt und Anstoß erregt, sollte wissen, dass er nicht nur keine Gnade erfahren wird, aber auch alles andere Gute, das er vielleicht besitzt, verlieren wird, um die Notwendigkeit der Demut aus den eigenen Fehlern zu lernen.

Fürchtet euch mehr vor dem inneren Verurteilen, das durch Gedanken geschieht, da es nicht laut geäußert wird; dann könnte es nämlich eventuell durch den Zuhörer korrigiert werden. Nimm dich in Acht vor dem inneren Verurteilen, das uns mit tödlicher Schuld belädt und des Lebens der göttlichen Gnade beraubt. Es spendet uns ein bitteres Getränk, die seelische Nekrose.

Im Heiligen Evangelium und in den Vätertexten steht viel über das Verurteilen geschrieben. Es sollte von oben, nicht von unserer Zunge kommen. Ich hoffe, dass die Liebe und das Nicht-Verurteilen in all euren Interaktionen vorherrschend sein werden, damit der Heilige Geist in eure Seele Einzug hält.

Übersetzung: Alexia Ghika- Kyriazi

 


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